www.inmeinernaehe.de (exhibition version)

2000

Wenn man auf das Internetangebot „In meiner Nähe“ stößt, wird man verleitet zu glauben, man befindet sich in einem durchdachten, kommerziellen Shopping System. Nach Eingabe der Postleitzahl und des Wohnortes wirft das System nur WWW-Präsenzen aus, die sich in der näheren Umgebung befinden. Das unüberschaubare, globale Netzwerk wird plötzlich benutzbar und praktisch. Der Getränkeladen mit Lieferservice – der Allgemeinmediziner, der hilfreiche Diät-Tips bereithält – selbst eine seriöse Begleitagentur, ein Rechtsanwalt oder der Klempner sind für den Fall der Fälle erreichbar.

Auf den zweiten Blick fällt jedoch auf, daß auf keiner Homepage eine Telefonummer oder eine komplette Anschrift verfügbar ist. Und nach dem Klick auf das Bild des Diplom-Übersetzers Thorsten Strömer, werden nicht weitere Informationen zur dieser Person auf dem Bildschirm sichtbar, sondern aus Herrn Strömer wird Herr Einstein, der sich als Nachhilfelehrer für die Fächer Mathematik und Deutsch anbietet.

Gleiche Bilder, verschiedene Menschen, die sich durch die falsche Struktur des Systems ergeben. Alle Homepages sind leichte Überarbeitungen, die von der für 49.95 DM käuflich zu erwerbenen CD-ROM „Das große Homepage Paket“ des Softwarehauses Data Becker stammen. Eine CD, die verspricht, binnen 15 Minuten im Baukastensystem eine effektive Internetpräsenz zu erstellen. Herr Strömer ist Herr Einstein ist Herr Gau ist Herr Legrand und doch sind sie alle nur Blindcopys, Platzhalter für „echte“ Fotos.

In der Ausstellung werden die beliebigen Platzhalter zu Bildern – vom Passbild zum Abziehbild. Holger Friese verbindet Herrn Strömer und seine Typoi neu. Sandgestrahlte Glasplatten dienen als Träger der Identitäten, auf die die stark vergrößerten Portraits aus Adhäsionsfolie geklebt werden können.